Die Geschichte der Ohara-Schule


Die Meji Reform ließ Japan neue Wege gehen. Östliche und westliche Kulturelemente kamen sich näher. Viele neue Pflanzenarten wurden eingeführt. Wie aber sollte diese Farbenpracht in das Ikebana integriert werden?

Der erste große Wegbereiter eines erneuerten Ikebana ist Unshin Ohara. Als Fusagoro Takada, 1861 in Matsue geboren, stammt er aus einer bekannten Keramikerfamilie. Mit 19 Jahren wird er in die reiche Kaufmannsfamilie Ohara adoptiert, die keinen männlichen Erben hatte. 1889 zieht er nach Osaka und arbeitet als Bildhauer und gleichzeitig auch als Ikebanameister. Seine Ausbildung als Bildhauer gibt er aus gesundheitlichen Gründen auf und wendet sich ganz der Blumenkunst zu.


  1895 Gründung der Ohara-Schule durch Unshin Ohara. Mit seinen Schülern durchwandert er Berg und Tal, um das Pflanzenmaterial in seiner unmittelbaren Umgebung genau zu studieren. Er gestaltet seine eigene Art von Arrangements und präsentiert neu kreierte Stile. Hierzu entwickelt er weite, flache Schalen, die die Gestaltung ganzer Landschaften auf engem Raum ermöglichen (shakei-Technik). Weiter bezieht er die farbenreichen westlichen Blumen in einen Stil mit ein und gründet das Farbschema (shikisai-Technik). Hier ist die erdachte Farbkomposition des Gestalters von Bedeutung. Neu ist auch die Anordnung der Zweige, die nicht mehr aus einem Punkt heraus, sondern verteilt auf ein Dreieck in der Schale arrangiert werden. Diese neuen Schöpfungen sind die Geburt des Moribana und bis heute ein Grundstil der Schule.


  1916 übernimmt Koun Ohara die Schule. Sein Grundsatz ist, dass das 'Ikebana von morgen' ein 'Ikebana für jedermann' sein soll. Er modernisiert die Lehrmethoden, führt die Moribana- Ansätze seines Vaters weiter und legt den Klassenunterricht fest. Auch unterrichtet er an Mädchenschulen und führt Kurse für Frauen ein. Neu ist auch, dass er Ausstellungen außerhalb der Tempel organisiert und über das Radio Ikebana lehrt.


  1938 wird Houn Ohara zum dritten Headmaster ernannt. Schon in jungen Jahren fasziniert ihn die Bewegung der Avantgarde. Er lehnt sich an die Gedankenwelt der europäischen Surrealisten an und wird gemeinsam mit Sofu Teshigahara als Pionier des Avantgarde-Ikebana geachtet und anerkannt. Er entwickelt auch die für die Ohara-Schule typischen Landschaften, Rimpa- und Bunjin-Arrangements. Inspiration für ein Rimpa liefern ihm Rollbilder, Wandschirme und bemalte Fächer des 17. Jahrhunderts. Chinesische Künste (Literatenmalerei) sind ihm Vorbild für die Bunjin-Arrangements. Auf seinen zahlreichen Auslandsreisen gründet er Zweigstellen.


  1972 wird aus Anlass des 80. Jahrestages der Schöpfung des Moribana Houn's Sohn Natsuki Ohara designierter vierter Headmaster. Seine erste große Ausstellung 'Space and Flower' zeigt ihn als ideenreichen Ikebana-Meister. Inspiriert von den Veränderungen im alltäglichen Leben, sowie in der Gedanken- und Gefühlswelt der Menschen eines neuen Zeitalters kreiert Natsuki Ohara 1985 den Stil Hanamai (Blumentanz) und 1990 Hana-isho (Blumendesign). Zahlreiche Auslandsreisen und Ausstellungen bringen ihm internationale Anerkennung.
1992 stirbt Natsuki Ohara im Alter von nur 42 Jahren.


1995 im März verstirbt 86-jährig der amtierende Headmaster Houn Ohara. Die Schule feiert im gleichen Jahr in der ganzen Welt ihr hundertstes Jubiläum. Dabei werden Natsuki Ohara posthum zum vierten Headmaster und Wakako Ohara zur Headmistress ernannt.


  2010 Unter der Führung des fünften Headmaster Hiroki Ohara wächst die Ohara-Schule, die weltweit über eine Million Mitglieder zählt, weiter. Der junge Ikebana-Künstler setzt bereits seine eigenen Akzente und kreierte im Jahr 2011 den neuen Stil Hana-kanade. Hana-kanade ist ein dreidimensionales Arrangement, das die Schönheit einander kreuzender Hauptlinien ausdrückt.


Die Ohara-Schule hat ihre Hauptsitze in Osaka und Tokyo. Neben den 146 Chaptern in Japan gibt es noch 69 Chapter und 43 Studiogruppen in allen Erdteilen (Stand April 2018). In Deutschland wird die Ohara-Schule offiziell durch das Frankfurt-am-Main Chapter e.V. mit Sitz in Koblenz und die Ohara-Studiogruppe-Nordwestdeutschland, Leer, vertreten.